Warum die Erneuerbaren die Kernenergie ersetzen müssen

    Simon Aegerter schrieb in der letzten Ausgabe der «Umwelt Zeitung», Windräder und Photovoltaik könnten die Kernenergie nicht ersetzen. Einspruch! 

    In seinem Artikel «Warum die Erneuerbaren die Kernenergie nicht ersetzen können» schreibt Dr. Simon Aegerter unter anderem über die Energierückzahldauer von Photovoltaikstrom. Es bleibt das Geheimnis von Dr. Aegerter, wo er die in seinem Artikel genannte Energierückzahldauer abgeschrieben beziehungsweise wie er diese selber berechnet hat. Ich empfehle ihm und der interessierten Leserschaft, sich bei den in diesem Thema führenden internationalen Forscher-Gruppe, nämlich dem Task 12 der Internationalen Energieagentur (IEA), schlau zu machen. Aus deren jüngsten Publikation zur Umweltbilanz von Strom aus Photovoltaikanlagen aus dem Jahr 2021 kann entnommen werden, dass die Treibhausgasemissionen pro kWh Photovoltaik-Strom zwischen 26 und 43 g CO2-eq liegen. In den letzten 10 bis 15 Jahren konnten die spezifischen Emissionen mehr als halbiert werden, und dies trotz der Tatsache, dass in dieser Zeit ein Grossteil der Produktion und der Lieferketten nach China und in weitere asiatische Länder abgewandert ist. 

    Atom-, Erdgas und Kohlkraftwerke sind Auslaufmodelle 

    Im Vergleich dazu liegen die Treibhausgasemissionen von Strom aus einem chinesischen Kohlekraftwerk bei ca. 1450 g CO2-eq, also zwischen 34 und 56 mal so hoch. Werden Solarpanels in der Schweiz montiert, dauert es zwischen 11 und 15 Monaten (nicht Jahren), bis die bei der Herstellung verbrauchte Energie durch das Ersetzen von Strom aus fossilen und Kernkraftwerken amortisiert ist. Strom aus erneuerbaren Energien spielt hier in der Champions League der Kraftwerke. Atom-, Erdgas- und Kohlekraftwerke können die für Bau und Betrieb erforderliche Energie gar nie amortisieren, da für deren Betrieb immer Energieressourcen in Form von Uran beziehungsweise Kohle benötigt werden. Ähnliches hat Rudolf Clausius, renommierter Professor für Thermodynamik der ETH Zürich, schon vor knapp 140 Jahren erkannt und aus Gründen der Nachhaltigkeit für die Nutzung der Sonnenenergie plädiert. Er empfahl in seiner Publikation «Über die Energievorräthe der Natur» den Menschen, «sich mit der Energie zu behelfen, welche die Sonne ihnen im Verlaufe der ferneren Zeit noch fortwährend durch ihre Strahlen liefert». Atom-, Erdgas- und Kohlekraftwerke sind Auslaufmodelle und für eine langfristige, umweltfreundliche und sichere Energieversorgung untauglich.

    Dr. Rolf Frischknecht


    Zur Person: 

    Dr. Rolf Frisch­knecht, Inhaber der Firma treeze Ltd., prägt seit über 30 Jahren die Ökobilanzierung in der Schweiz und weltweit. Er publiziert regelmässig über den Umweltfussabdruck von Solarstrom.